Kultur als Katalysator für Gemeinwohl-orientierte (Stand-)Ortentwicklung
Viele Kommunen, Kulturbetriebe und Sozialunternehmen stehen vor ähnlichen Fragen: Wie lassen sich brachliegende Standorte mit neuem Leben füllen? Wie erreichen wir mehr Teilhabe, mehr Wirkung und mehr Relevanz an unseren Orten – und zwar so, dass das Gemeinwohl im Zentrum steht? Allzu oft fristen bestehende Gebäude oder Plätze ein Schattendasein: Sie bleiben untergenutzt, exklusiv und verschenken damit enormes Potenzial für Kooperationen und lokale Entwicklung. Dabei zeigen Beispiele im ganzen Land, wie Kultur als Katalysator wirken kann. Expert:innen betonen, dass Kultur weit mehr ist als bloße Unterhaltung – vielmehr ein potenter Katalysator, um vernachlässigten Orten neues Leben einzuhauchen[1]. Kulturelle Projekte sprechen Menschen auf emotionaler Ebene an und ermöglichen neue Denk- und Handlungsspielräume[2]. Genau hier setzt ein innovativer Ansatz an, der Kultur, Gemeinschaft und Wirtschaft verbindet, um Orte gemeinsam neu zu beleben.
Im hessischen Falkenberg engagiert sich zum Beispiel das nachhaltige Technologie-Unternehmen SHIFT und transformierte ein jahrzehntelang leerstehendes Fachwerkhaus wieder in einen Dorfladen mit Café sowie Kultur- und Bildungsangebote. Das Gänsemarkt-Projekt ist kein gewinn-, sondern ein menschenorientiertes Vorhaben „im Ort, mit dem Ort und für den Ort“, das die Dorfgemeinschaft stärkt und neue Lebensqualität schafft[3].
Die Nachfrage nach solchen gemeinwohlorientierten Orten steigt: Sozialunternehmen möchten durch lokale Projekte Wirkung erzielen, Kulturbetriebe wollen sich als “Dritte Orte” neu positionieren, und Kommunen suchen nach Treffpunkten für Teilhabe und Gemeinschaft. (Als Dritte Orte bezeichnet man öffentliche Treffpunkte jenseits von Zuhause und Arbeit, die sozialen Zusammenhalt und informellen Austausch fördern[4].) Um diesen Bedarf zu adressieren, haben wir mit unserem Sozialunternehmen Good Places einen methodischen Werkzeugkasten entwickelt: die ganzheitliche 7C-Methode für die partizipative Transformation bestehender (Stand-)Orte. Good Places vereint dabei organisationsentwicklung, Kunst und Urban Design mit partizipativer Standortentwicklung in einem interdisziplinären Prozess. Anstatt nur Konzepte auf dem Papier zu liefern, begleitet dieser Ansatz echte Veränderungsprozesse – strategisch fundiert, ko-kreativ und konsequent gemeinwohlorientiert. Im Folgenden stellen wir die 7 Cs – Context, Community, Commons, Communication, Culture, Catalysts, Change – vor und zeigen, welche konkrechen Herausforderungen sie adressieren und welchen Mehrwert sie für die Praxis bieten.
Context – Kontext verstehen und Potenziale aufdecken
Am Anfang jeder Ortsentwicklung steht der Kontext: Bevor ein Ort transformiert wird, braucht es einen Blick auf das große Ganze. Dieser Schritt entspricht einer gründlichen Potenzialanalyse. Welche Geschichte bringt der Standort mit? Wie ist die aktuelle soziokulturelle und wirtschaftliche Lage vor Ort? Und wo liegen ungenutzte Chancen? Indem die Ausgangssituation und Identität des Ortes erfasst werden, lassen sich realistische Ziele definieren. Für die Praxis bedeutet das: Daten und Eindrücke sammeln, mit lokalen Akteur:innen sprechen und die Stärken sowie Schwächen des Ortes sichtbar machen. So entsteht ein gemeinsames Verständnis der Ausgangslage – eine unverzichtbare Basis, um später passende kulturelle Interventionen und Nutzungskonzepte zu entwickeln. Nur wer den Kontext kennt, kann gezielt dort ansetzen, wo ein Ort Mehrwert fürs Gemeinwohl schaffen kann.
Community – Gemeinsam die Beteiligten und Ziele definieren
Kein Ort entwickelt sich im Alleingang. Unter Community versteht die 7C-Methode das Ökosystem der Menschen und Organisationen, die an einem Standort beteiligt sind oder sein könnten: von engagierten Bürgerinitiativen über Kreativschaffende und Vereine bis hin zu lokalen Unternehmen und Behörden. In diesem Schritt werden die Stakeholder identifiziert und an einen Tisch geholt. Entscheidend ist, ein gemeinsames Purpose – also einen geteilten Zweck oder eine Vision – zu formulieren, der alle eint. Standortentwicklung kann nur in partizipativen Prozessen ihr volles Potenzial entfalten, daher setzt die Community-Phase auf maximale Teilhabe: Workshops, Runde Tische und Umfragen binden die lokale Bevölkerung frühzeitig ein. Für Kommunen kann das z. B. bedeuten, Bürgerinnen bei der Planung eines Kulturzentrums mitreden zu lassen; für ein Sozialunternehmen, lokale Partner für ein Projekt zu gewinnen. Wenn Gemeinschaft und gemeinsame Ziele stehen, entsteht ein starkes Fundament – die Community* trägt die Idee dann mit und treibt sie aus eigener Motivation voran.
Commons – Gemeinwohlorientierte Geschäftsmodelle entwickeln
Gemeinwohlorientierte Ortsentwicklung braucht mehr als idealistische Ideen – sie braucht tragfähige Strukturen. Commons steht in der 7C-Methode für das Entwickeln regenerativer Geschäftsmodelle, die soziale Wirkung mit wirtschaftlicher Nachhaltigkeit verbinden. Das heißt konkret: Wie kann der Ort langfristig betrieben und finanziert werden, ohne vom Gemeinwohl-Gedanken abzuweichen? Oft gilt es, kreative Antworten zu finden, etwa durch gemeinnützige Trägerstrukturen, Genossenschaften oder Mischmodelle aus öffentlichen Fördermitteln, Eigeninitiative und erlösen aus Veranstaltungen oder Vermietungen. Ziel ist ein Modell, das nicht auf Gewinn, sondern auf Nutzen für die Gemeinschaft ausgerichtet ist – und sich trotzdem selbst tragen kann. Schließlich sollen die neuen Angebote (vom Nachbarschaftscafé bis zum Kulturhaus) nicht nach kurzer Zeit mangels Finanzierung scheitern. Studien zeigen, dass nachhaltiger sozialer Wandel nur gelingt, wenn ein passendes Finanz- und Organisationsmodell dahintersteht: Um langfristige Wirkungen und soziale Veränderungen anzustoßen, braucht es tragfähige Geschäftsmodelle. Die Commons-Phase hilft also, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit der Ort auch in Zukunft bestehen kann – zum Wohl aller Beteiligten.
Communication – Kommunikation als Schlüsselelement
Neu geschaffene Dritte Orte entfalten ihre katalytische Wirkung nur, wenn auch die Kommunikation stimmt. In dieser Phase geht es zum einen darum, Transparenz und Dialog im Projekt sicherzustellen – alle Beteiligten sollen stets eingebunden und informiert bleiben. Zum anderen spielt externes Kommunizieren eine Rolle: Die Geschichte des Ortes will erzählt werden! Ob durch Social-Media, lokale Presse oder kreative Aktionen vor Ort – Storytelling weckt Interesse und bringt Menschen dazu, sich zu beteiligen. Good Places setzt bewusst auf narrative Elemente: Anstatt trockener Pläne wird eine fesselnde Vision vermittelt, die Identifikation stiftet. Eine klare Kommunikationsstrategie hilft Kulturprojekten und sozialen Initiativen, Unterstützer zu gewinnen, Vorbehalte abzubauen und die eigene Botschaft auf den Punkt zu bringen. Gerade wenn verschiedene Sektoren (öffentlich, privat, zivilgesellschaftlich) zusammenkommen, wirkt eine offene Kommunikationskultur wie Schmierstoff: Sie fördert Vertrauen und Zusammenarbeit. So wird Communication zum verbindenden Element, das alle anderen C-Bausteine erst richtig zur Geltung bringt.
Culture – Eine Kultur der Selbstorganisation etablieren
Der Begriff Culture verweist hier nicht nur auf künstlerische Kultur, sondern vor allem auf die Kultur der Zusammenarbeit. Gemeint ist der Aufbau von Strukturen und Werten, die Selbstorganisation ermöglichen. In traditionellen Projekten wird nach Abschluss oft von oben herab verwaltet – doch gemeinwohlorientierte Orte sollen möglichst autonom und gemeinschaftlich weiterwachsen. Deshalb fördert die 7C-Methode frühzeitig eine Kultur, in der Eigeninitiative und Verantwortung geteilt werden. Zum Beispiel können lokale Gruppen geschult werden, eigene Veranstaltungen im neuen Begegnungszentrum zu organisieren, oder es wird ein ehrenamtliches Kernteam etabliert, das den Betrieb koordiniert. Eine solche Kultur der Selbstorganisation sorgt dafür, dass der Ort nicht von einzelnen Personen oder Institutionen abhängig ist. Vielmehr entsteht ein lebendiges Netzwerk von Akteur:innen vor Ort, das flexibel auf neue Ideen reagiert und den Ort kontinuierlich weiterentwickelt. Die Rolle externer Expertinnen (wie Goood Places) tritt dadurch mit der Zeit in den Hintergrund. Im besten Fall fühlen sich die Beteiligten so sehr als Teil des Projekts, dass “ihr Ort” ganz natürlich mit der Community mitwächst – eine lernende Organisation im Kleinen. Diese Culture-Phase sichert also die Empowerment* der lokalen Gemeinschaft und die Fähigkeit des Projekts, sich aus sich selbst heraus zu tragen.
Catalysts – Kulturelle Experimente als Auslöser nutzen
Unter Catalysts versteht Good Places kulturelle Experimente – temporäre Aktionen, Pilotprojekte oder künstlerische Interventionen, die als Katalysator wirken. Warum sind solche Experimente wichtig? Weil sie Greifbares schaffen, das die Vision erlebbar macht. Häufig kann man sich abstrakte Konzepte nur schwer vorstellen; ein erstes Event, eine Zwischennutzung oder Installation am Ort gibt jedoch einen Vorgeschmack auf das Mögliche. Kulturelle Experimente eröffnen neue Wege und helfen, Widerstände abzubauen. Sie aktivieren die Menschen vor Ort, sorgen für Öffentlichkeit und liefern wertvolle Erkenntnisse darüber, was funktioniert. So ein Kultur-Experiment kann z. B. ein Pop-up-Café in einem leerstehenden Ladenlokal sein, eine Kunstaktion im öffentlichen Raum oder ein Festival auf dem brachliegenden Fabrikgelände. Wichtig ist, niedrigschwellig zum Mitmachen einzuladen und Raum für Kreativität zu bieten. Auch Experten aus Förderprogrammen betonen, dass gerade in etablierten Institutionen „Raum zum Experimentieren“ entscheidend ist, um neue Wege zu gehen – verbunden mit Vertrauen in die Kraft kultureller Orte, gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen. Ein gelungenes Experiment wirkt identitätsstiftend und motivierend: Es zeigt allen Beteiligten, was möglich ist, und dient oft als Startschuss für größere Veränderungen. Nicht selten entwickeln sich aus kleinen Pilotprojekten dauerhafte Einrichtungen. Kultur wirkt hier als Katalysator im besten Sinne – sie zündet die Initialzündung für die gemeinwohlorientierte Ortsentwicklung.
Change – Transformation verstetigen und Wirkung sichern
Der letzte Baustein Change dreht sich darum, den angestoßenen Wandel nachhaltig zu verankern. Nachdem Experimente durchgeführt und neue Strukturen geschaffen wurden, gilt es, die Transformation zu verstetigen – damit aus einem zeitlich begrenzten Projekt ein dauerhafter Mehrwert für die Gemeinschaft wird. In dieser Phase stellt sich zum Beispiel die Frage: Wie wird aus der initialen Finanzierung ein langfristiges Budget? Welche Kooperationsmodelle zwischen Zivilgesellschaft, Verwaltung und evt. Investorinnen tragen den Ort künftig? Ebenso wichtig: Bleibt die Teilhabekultur erhalten, wenn der Alltag einkehrt? Praktisch empfiehlt es sich, Erfolge messbar zu machen (Stichwort Wirkungsmodell) und Gelerntes zu dokumentieren, um alle Beteiligten von der Weiterführung zu überzeugen. Einige Förderinitiativen begleiten neue Dritte Orte daher bewusst über mehrere Jahre und evaluieren ihre sozialen Wirkungen[5] – so wird sichtbar, was der Ort der Gesellschaft zurückgibt. Goood Places legt in dieser Phase Wert darauf, dass die geschaffenen Strukturen Schritt für Schritt in lokale Hände übergehen und institutionalisiert werden. Oft wird ein passender Trägerverein oder eine Genossenschaft gegründet, wenn nicht schon vorhanden. Ziel von Change ist es, den Ort vom Projektstatus in einen dauerhaften Bestandteil des Gemeinwesens zu überführen. Kurz: Der Ort soll auch morgen und übermorgen noch gut funktionieren. Damit das gelingt, wird der gesamte 7C-Prozess so angelegt, dass am Ende tragfähige Modelle mit gesellschaftlicher Wirkung* stehen – genau das unterscheidet nachhaltige Transformation von bloßen Strohfeuern.
Fazit: Gemeinsam aktiv werden – Kulturdialog für gute Orte
Kultur als Katalysator entfaltet eine erstaunliche Kraft, wenn die richtigen Zutaten zusammenkommen. Die 7C-Methode von Goood Places zeigt praxisnah, wie Context, Community, Commons, Communication, Culture, Catalysts und Change ineinandergreifen, um aus vernachlässigten Standorten lebendige Orte des Gemeinwohls zu machen. Jeder der 7 Cs adressiert einen kritischen Erfolgsfaktor – von der anfänglichen Analyse und Vernetzung der Gemeinschaft bis zur langfristigen Sicherung des Wandels. Für Städte und Gemeinden, die neue Wege in der Standortentwicklung suchen, für Kulturinstitutionen im Wandel und für Sozialunternehmen mit Raumnutzungs-Ideen bietet dieser Ansatz einen praktischen Fahrplan. Wichtig ist vor allem eines: ins Handeln kommen.
Möchten Sie selbst erleben, wie Kultur zum Katalysator für Ihre Ortsentwicklung werden kann? Dann laden wir Sie ein: Werden Sie aktiv! Identifizieren Sie ein schlummerndes Potenzial in Ihrer Umgebung, vernetzen Sie sich mit anderen Engagierten – oder holen Sie sich professionelle Unterstützung. Goood Places begleitet Partner:innen mit Workshops, Beratung und Prozessbegleitung dabei, die 7Cs vor Ort umzusetzen und maßgeschneiderte Lösungen zu finden. Gemeinsam lassen sich so die Orte gestalten, die unsere Gesellschaft von morgen braucht – offen, nachhaltig und gemeinwohlorientiert. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, den ersten Schritt zu gehen und den Wandel mit Kultur zu katalysieren!
🡢 Kontaktieren Sie uns gerne für weitere Informationen und lassen Sie uns loslegen.
Quellenangaben:
[1] [2] Städtewandel durch Kultur – Mary Dellenbaugh-Losse, urban policy
https://urban-policy.com/wp-content/uploads/2020/05/staedtewandel_inhalt-28.09.17.pdf
[3] Aus Ruine wird Dorfladen: Neues Projekt soll Waberner Ortsteil Falkenberg beleben
https://www.hna.de/lokales/fritzlar-homberg/wabern-ort79909/aus-ruine-wird-dorfladen-90081083.html
[4] [5] Neue “Dritte Orte” in München – Pinakothek der Moderne